Ein Habitat für Tiere
Anders
als Felsen, Blumen und Kristalle scheinen wir Städter die Tierwelt allzu oft
mit einer unbestimmten Gefahr zu verbinden. Das ist wohl ein abstrakter
Gedanke, der von Urängsten wachgerufen als Grundlage für viele Phobien
herhalten muss. Ob sich dies an Schlangen, Spinnen oder Vögeln festmacht, liegt
selten an echten persönlichen Erfahrungen.
Die Tiere in Altamira und den angrenzenden Weiten der Serra sind überaus
scheu. Wer kann, wird die Stille
genießen. Wer sich aber die Zeit nimmt, selbst still zu sein, wird immer wieder überrascht: von fleißigen
Blattscheideameisen, Heuschrecken, Käfern, Faltern und von den unstet vorbei
schwebenden Schmetterlingen, deren tiefblaue Farbe das diffuse Licht des
Dickichts zu bündeln scheint, dem schwarzgeränderten, orangeroten
Schmetterling, der sich unbekümmert nahe
am Haus sonnt, dem roten Schmetterling, der sich gerne fotografieren lässt.
Aber auch in Raupenform ist dieses von der nicaraguanischen Schriftstellerin Gioconda Belli „fliegende Blume“ genanntes Insekt allgegenwärtig. Viele Arten, die auf der roten Liste stehen, haben in der Serra ihre letzte Zuflucht gefunden. Es gibt allein 170 Bienenarten, eine Vielfalt von Reptilien- und Amphibien, Eidechsen und Schlangen, wobei nur einige wenige dem Menschen gefährlich werden können. Raubvögel nisten in der Felswand nahe dem Wasserfall und ein Kolibri – beija flor - verirrt sich schon mal im Zimmer. Glücklich kann sich wähnen, wer den scheuen Wickelbären im Wald erspäht oder dem ein paar Riesenfrettchen über den Weg huschen. Die Micoäffchen sind da schon etwas weniger scheu und angeln sich vorsichtig eine Banane. Seltene Säugetiere, wie der Ameisenbär, der Guará-Wolf und der Jaguatirica, ein kleiner Leopard und auch einige Primatenarten sind infolge Jagd und Habitatzerstörung nur noch vereinzelt zu finden. Wir hoffen, ihnen wieder ein Zuhause zu geben.
