Im Bann der Bergkristalle
Sie
waren hier, an der mittleren Ostküste Brasiliens, so zahlreich zu finden, dass
sie dem Bundesstaat ihren Namen gaben: Minas Gerais heißt „General- mine“, und
seine Einwohner werden heute noch „Mineiros“ (Minenarbeiter) genannt.
Es
ist in der Tat schwer, an manchen Stellen Altamiras lange aufrecht zu gehen.
Dauernd möchte man sich nach den Kristallen bücken, die überall glitzernd auf
dem Boden liegen. Manche sind faustgroß. Wenn auch nicht klar, so sind die
kristallinen Geometrien deutlich zu erkennen. Das Imposante daran ist, wie
viele es von ihnen gibt. Das ganze Land scheint gespickt mit Kristallen – als
wären sie einst oder über Nacht vom Himmel gefallen.
Wer
mit etwas Glück einen Stein umdreht, kann darunter eine Kristallstufe mit einer
Vielzahl von klaren Kristallen in allen möglichen Größen finden. Solche Prachtstücke werden für viel Geld gehandelt.
Allerdings
kann sich die Freude über einen solchen Fund auch schnell in einen Rausch
verwandeln. Diese allzumenschliche Seite hat bereits tiefe Narben in Geschichte
und Landschaft von Minas Gerais hinterlassen. Auch in der Serra do Cipó
finden sich vereinzelt die stillgelegten Überreste illegaler Minen mit ihren
kristallenen Narben und Erosionen. Doch das Land ist groß; die Not mitunter
auch. Und das Umweltbewusstsein noch klein.
